Ju-Jutsu

Trainingszeiten TrainerOrt
Montag20.15 - 21.45Nikolas SievertGymnastikhalle

Ju-Jutsu ist ein modernes, offenes Selbstverteidigungssystem für die Praxis des täglichen Lebens. Es enthält Techniken aus verschiedenen Kampfsportarten und bietet auch die Möglichkeit, sich in Wettkämpfen in verschiedenen Disziplinen zu messen.

Jede Verteidigungstechnik ist gegen mehrere Angriffsarten anwendbar. Durch beständiges Üben werden die Bewegungsabläufe automatisiert. In Kombinationen können die Techniken sinnvoll verbunden und in der freien Verteidigung gegen freie Angriffe als echte Selbstverteidigung angewendet werden.

Bestehende Konzepte werden kontinuierlich erweitert und optimiert, ohne sich an die Einschränkungen bestimmter Stile oder Philosophien zu halten. Deshalb ist Ju-Jutsu auch eine Selbstverteidigungsart, die für jedermann geeignet ist, egal ob klein oder groß, jung oder alt. Jeder kann sich im Ju-Jutsu auf für ihn geeignete Techniken spezialisieren.

 

Die Entwicklung des Ju-Jutsu

Mit Karate, Judo und Aikido hatte man Mitte der 60er Jahre sehr weitentwickelte Kampfsysteme im DJB (Deutscher Judobund) vertreten. Allerdings waren Judo und Karate reine, streng reglementierte Wettkampfsportarten. Aikido hatte den moralisch-philosophischen Aspekt als Zielsetzung. Das alte Jiu-Jitsu fristete als Judo-SV ein Schattendasein und war mehr oder weniger unbedeutend und auch technisch überholt.

Ein System, das die Selbstverteidigung und hier alle Aspekte berücksichtigte, fehlte. Genau so ein System war aber für viele Berufsgruppen, wie Bundesgrenzschutz und auch die Polizei dringend erforderlich.

1967 wurden mehrere hohe Dan-Träger vom DDK (Deutsches Dan Kollegium) beauftragt, ein umfassendes Selbstverteidigungs – System zu schaffen. Es sollte auf der Basis der bestehenden Kampfsportarten entwickelt werden.

Otto Brief, Werner Heim, Franz-Josef Gresch, Richard Unterberger, Klaus Münstermann und andere, schufen aus den T echniken des Judo, Karate und Aikido sowie einigen Jiu-Jitsu-Techniken ein System, welches ausschließlich auf Selbstverteidigung ausgerichtet war.

Die Bedeutung der Silben ist dieselbe wie in Jiu-Jitsu:

Ju sanft, nachgebend, aber auch angepasst, Jutsu Kunst, Fertigkeit

Auf dem Deutschen Dan Tag des DDK in Nürnberg, am 28.01.1968, wurden die erarbeiteten Prüfungsrichtlinien nach langen und äußerst kontrovers geführten Diskussionen angenommen

Gestreckter Armhebel

Gestreckter Armhebel

Am 22.04.1969 traten diese Richtlinien in mittlerweile überarbeiteter Form bundesweit in Kraft. Sie wurden noch des öfteren geändert um das Ju-Jutsu neuen Erkenntnissen anzupassen und nicht zu einem starren, veralteten System werden zu lassen. Es gab nun eine Sektion Ju-Jutsu im DJB und im BJB, ebenso eine Fachgruppe Ju-Jutsu im DDK.

Die technische Weiterentwicklung des Ju-Jutsu

Da das frühe Ju-Jutsu aus Aikido-, Judo- und Karatetechniken bestand, wurde immer wieder auf die Prinzipien dieser Kampfsysteme hingewiesen, die im Ju-Jutsu unbedingt beibehalten werden mussten. Zwar wurde von der Übernahme der Prinzipien gesprochen, was aber erfolgte, war die Übernahme der Techniken der einzelnen Systeme, oft ohne Anpassung an Situationen der Selbstverteidigung.

Das Ju-Jutsu hatte den richtigen Weg eingeschlagen, musste in den folgenden Jahren aber noch an sich arbeiten, um den Praxisbezug, der für ein Selbstverteidigungssystem im Mittelpunkt stehen muss, zu verwirklichen.

Stockabwehr

Stockabwehr

Besonders in den Jahren 1981 bis 1986 ging die Entwicklung in Richtung Realitätsbezug und weg von der perfekten Judo-, Karate- und Aikidotechnik. Die Techniken wurden dahingehend modifiziert, dass sie der SV-Situation angemessen waren. Die Techniken mussten teilweise auch geändert werden, damit vom Prinzip her unterschiedliche Techniken (Karate und Aikido ist wohl das beste Beispiel) überhaupt zusammenpassten.

An dieser positiven Entwicklung des Ju-Jutsu hatte der damalige Bundestrainer Josef “Sepp” Art aus Bayern erheblichen Anteil. Aus seiner eigenen Erfahrung als Polizeibeamter wusste er bestens, wie wichtig realitätsbezogene Techniken sind.

Die Ju-Jutsu-Techniken haben zwar ihren Ursprung im Karate, Judo und Aikido, mittlerweile auch im Boxen und Ringen, ihre im Ju-Jutsu übliche Ausführung stimmt jedoch häufig kaum noch mit den ursprünglichen Techniken überein. Es kann von eigenständigen Ju-Jutsu-Techniken gesprochen werden, die wie z.B. die Fausttechniken, auch das sollte nicht übersehen werden, in ihrer Ursprungsart als falsch gelten würden.

Ebenfalls Anfang der 80er Jahre wurde wieder erwogen, Ju-Jutsu auch als Wettkampf einzuführen. Die Berliner Polizei begann damals bereits mit dem JJ-Wettkampf, dem sich immer mehr Polizeien aus anderen Bundesländern (Bayern, Hamburg) anschlossen. Aber erst “Sepp” Art als Bundestrainer setzte den JJ-Wettkampf auch außerhalb der Polizei durch. Auch nach seiner Zeit als Bundestrainer trieb “Sepp” als bayer. Landestrainer den Wettkampf voran, bis er 1987 das Amt an Roland Köhler übergab, der viele erfolgreiche Kämpfer (Süddeutsche Meister, Deutsche Meister, Internationale Deutsche Meister usw.) hervorbrachte. In Bayern fanden 1985 die ersten offiziellen Meisterschaften statt. Die erste offizielle Deutsche Meisterschaft fand 1987 in Berlin statt.

Als die Mitgliederzahlen der Sektion Ju-Jutsu immer mehr stiegen, musste auch für qualifizierte Übungsleiter gesorgt werden. So wurde 1979 die erste ÜL-F Ausbildung auf bayer. Ebene abgehalten und ab 1981 auch Trainer B und A auf Bundesebene. Da die Sektion Ju-Jutsu im DJB, immer größer und stärker wurde, beschloss man die Selbstständigkeit anzustreben, was aber nicht ohne Probleme gehen sollte.

Am 20.10.1990 wurde der “Deutsche-Ju-Jutsu-Verband” (DJJV) gegründet und am 30.05.1992 in den DSB (Deutscher Sportbund) aufgenommen.

Ju-Jutsu stellt nun mit seinen realitätsbezogenen Techniken, der Fallschule, Bewegungslehre und dem Wettkampf, das wohl beste und modernste SV-System dar !